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Infektionskrankheiten beim Hund

In der heutigen Zeit stehen eine Vielzahl von Impfstoffen zur Verfügung. Hunde können zuverlässig gegen Hepatitis, Leptospirose, Parvovirose, Staupe, Tollwut, Borreliose und Virushusten geimpft werden.

Hepatitis (Hepatitis contagiosa canis - Hcc)

Auch bei Hunden gibt es eine ansteckende Virushepatitis. Gefährdet sind allerdings nur Hunde - auf den Menschen ist diese Krankheit nicht übertragbar. Daneben umfaßt das Spektrum des Erregers (Adenovirus) bevorzugt Rotfüchse, Kojoten und Wölfe. Die Krankheit ist weltweit verbreitet und in den betroffenen Hundepopulationen liegt die Durchseuchungsquote bei über 50 %. Besonders Jungtiere zwischen 8 Wochen und einem Jahr sind empfänglich. Das Hepatitisvirus wird über Kot und Urin ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt sowohl über direkten Kontakt, als auch über Futter, Wasser und andere Gegenstände. Teilweise wird auch eine Ansteckung über die Luftwege vermutet. 2 bis 5 Tage nach Infizierung erkranken die Tiere akut. Innerhalb der ersten Krankheitswoche treten Apathie, Freßunlust, Fieber (bis 42°C), starke Bauchschmerzen und teilweise blutige Entzündungen im Bereich der Kopfschleimhäute auf. Es kommt desweiteren häufig zu einer vorrübergehenden Hornhauteintrübung. Ältere Hunde erkranken in der Regel nur mit kurzem Fieberanstieg und vorwiegend respiratorischen Erscheinungen (Augen- und Nasenausfluß), wogegen die Todesrate bei Jungtieren zwischen 10 - 45 % liegt. Besonders schwer erkranken Jungfüchse (Todesrate 40 %). Bei ihnen stehen Symptome des zentralen Nervensystems (Krämpfe, Apathien) im Vordergrund. Eine überstandene Infektion führt zu einer mehrjährigen Immunität. Die Schutzdauer der Antikörper, die mit der Muttermilch vom Welpen aufgenommen wurden, läuft in der Regel zwischen der 9. bis 15. Lebenswoche aus.


Leptospirose (Stuttgarter Hundeseuche, Weilsche Krankheit)

Die Hundeleptospirose wurde als erste Infektion der Haustiere mit Erregern dieser Gattung beschrieben. Die Erreger (Leptospiren) zählen zu den Bakterien und treten weltweit auf. Während der Erreger der Stuttgarter Hundeseuche (Leptospira canicola) hauptsächlich den Hund und das Schwein infiziert, umfaßt das Spektrum des Erregers der Weilschen Krankheit (Leptospira icterohaemorrhagiae) neben dem Hund auch Rind, Schwein, Ratten, Mäuse und den Menschen. Die Leptospirose gehört zu den Zoonosen, d.h. daß sie eine Erkrankung des Menschen auslösen kann. Sie ist eine meldepflichtige Tierseuche! Hunde jeder Altersstufe sind für die Krankheit empfänglich. Bevorzugte Ansteckungsquellen sind kontaminiertes Wasser und Jauche, daneben auch direkter Tierkontakt. Innerhalb der ersten 8 Tage nach der Infektion kommt es zu einer Verteilung / Streuung der Erreger über das Blut in den gesamten Körper, wobei sie sich besonders in den Nieren und der Leber anreichern. Nach 8 - 10 Tagen setzen Schädigungen der roten Blutkörperchen ein, die sich unter anderem in plötztlicher Schwäche, Futterverweigerung, Erbrechen und Fieber äußern. Die Infektion mit der Stuttgarter Hundeseuche verläuft seuchenhaft und führt meistens zu einer jahrelangen Persistenz des Erregers. Symptome sind hier vor allem vermehrter Durst und häufiger Harnabsatz, zum Teil Atembeschwerden. Bei der Weilschen Krankheit stehen hohes Fieber und Leberstörungen mit Gelbsuchtsymptomen im Vordergrund. Generell erheben sich die erkrankten Tiere nur sehr ungerne und äußern Schmerz bei Druck auf die Nierengegend. Das Überstehen der Krankheit führt häufig zu chronischen Nierenschäden. Da diese Erkrankung durch Bakterien hervorgerufen wird, kann bei Ausbruch eine Therapie durchgeführt werden.


Parvovirose

Die 1976 / 77 erstmalig aufgetretene Parvovirusinfektion der Hunde breitete sich Anfang der 80 er Jahre praktisch “über Nacht” aus. Das Virus (Parvovirus) ist eng verwandt mit dem Katzenseuchevirus. Unter natürlichen Bedingungen ist das Infektionsspektrum auf die Familie Canidae (Hund, Wolf, Fuchs, Kojote, Schakal) beschränkt, experimentell lassen sich aber auch Katzen, Nerze und Frettchen infizieren. Sichtbare Krankheitszeichen treten vorwiegend bei Hunden im Alter zwischen 8 und 12 Wochen auf. Der Erreger wird kurzzeitig (max. 2 Wochen), aber “hochdosiert” über den Kot ausgeschieden. Da er sehr, sehr langlebig ist, kommt es auch über sehr weite Entfernungen zur Verbreitung. Praktisch kann jeder Kothaufen eine potentielle Ansteckungsquelle sein. Überträger sind Hunde (kontaminiertes Haarkleid und Pfoten), Insekten und der Mensch. Obwohl bereits nach 5 Tagen Veränderungen im Dünndarmbereich beginnen, treten äußerlich sichtbare Krankheitssymptome erst nach ca. 47 Tagen auf. Sie äußern sich in Erbrechen, Depressionen und Mattigkeit. Ca. 6 - 24 Stunden später setzen massive, meist blutige Durchfälle ein, die relativ rasch zu Entwässerung und Gewichtsverlust führen. Kommt es zu keiner Behandlung verläuft das Geschehen innerhalb von 2 bis 3 Tagen tödlich. Daneben kommt es bei einem Teil der Tiere auch zu einer Infektion des Herzmuskels durch die Viren. Diese Herzform ist meistens unabhänig von der Darmform und hat eine längere Inkubationszeit. Plötzliche Todesfälle innerhalb von Minuten, verbunden mit Atemnot, Schreien und Erbrechen sind bei Welpen unter 8 Wochen typisch. Bei älteren Welpen treten die Herzstörungen meistens ohne klinische Symptome auf. Überlebt ein Hund diese Krankheit, können dauerhafte Herzschäden mit entsprechend eingeschränkter Leistungsfähigkeit zurückbleiben. Das Überleben bewirkt maximal eine 2 jährige Immunität. Die Wirkungsdauer der über die Muttermilch verabreichten Antikörper beim Welpen schwankt ziemlich stark und kann sich in Extremfällen bis zur 18. Lebenswoche erstrecken (eher 8. bis 12. Lebenswoche).


Staupe (canine distemper)

Die Staupe ist eine der bekanntesten Infektionskrankheiten des Hundes und weltweit verbreitet. Das Staupevirus (Morbillivirus) ist mit dem Rinderpestvirus und dem Masernvirus des Menschen verwandt. Das Infektionsspektrum umfaßt alle Tiere der Familien Canidae (Hund, Wolf, Fuchs, Kojote, Schakal), Mustelidae (Frettchen, Iltis, Nerz, Marder, Wiesel, Hermelin, Stinktier, Dachs, Fischotter) und Procyonidae (Kleinbären: Panda-, Wasch- und Nasenbären). Bei Katzen, Affen und Schweinen verläuft eine Infektion ohne Symptome und Erregerausscheidung. Beim Hund sind alle Altersstufen, besonders die Jungtiere, empfänglich, wobei aber Resistenzunterschiede zwischen den einzelnen Hunderassen bestehen können. Das Virus wird von infizierten Hunden mit allen Sekreten und Exkreten ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt direkt durch Kontakt oder seltener über Futter, Wasser und andere Infektionsträger. Akute Erkrankungen beginnen nach einer Inkubationszeit von 3 - 7 Tagen mit Fieber (bis 41°C), Inappetenz, Augen- und Nasenausfluß und Abgeschlagenheit. Abhänig vom Virus und von Sekundärinfektionen kann sich entweder die gastrointestinale Form (Darmstaupe) mit Erbrechen und Durchfall, die pulmonale Form (Lungenstaupe) mit Husten, Bronchitis, Mandel-, Rachen- und Lungenentzündung, oder seltener die nervale Form (nervöse Staupe) mit psychischen Veränderungen, Krämpfen, Zittern, Lähmungen und Verlust der Sinneswahrnehmungen (Todesrate hier zwischen 30 - 80 %) entwickeln. Eine ebenfalls seltene Spezialform der Staupe, häufig mit Symptomen der nervösen Staupe kombiniert, ist die Hartballenkrankheit. Sie geht mit einer starken Verhornung der Haut im Ballen- und Nasenspiegelbereich einher und endet meistens tödlich. Wird eine Staupevirusinfektion überlebt, so stellt sich eine langandauernde Immunität ein. Ansonsten besteht nur in den ersten Lebenswochen ein Schutz. Welpen erhalten über die Muttermilch Antikörper, wobei die Anzahl dieser jedoch mit jeder neuen Lebenswoche abnimmt. Etwa 50 % aller Welpen sind ab ca. 6. Lebenswoche empfänglich für eine Staupevirusinfektion.


Tollwut (Rabies, Lyssa)

Die bereits von Aristoteles erwähnte Tollwut ist in Afrika, Amerika, Asien und Europa verbreitet. Länder mit Insellage wie Australien, Japan, Malta, Ozeanien, Großbritannien, die skandinavischen Länder und Zypern sind frei von Tollwut. Das Infektionsspektrum des Tollwutvirus (Lyssavirus) umfaßt alle Säugetiere und Vögel, wobei die Empfänglichkeit der verschiedenen Säugetierspezies unterschiedlich hoch ist. So besitzen Füchse, Wölfe, Schakale, Kojoten, Wiesel und Baumwollratten die höchste Empfänglichkeit für das Tollwutvirus, gefolgt von Hamstern, Waschbären, Stinktieren, Hauskatzen, Fledermäusen und Kaninchen. Der Hund weist eine eher mittelgradige Empfänglichkeit auf, ähnlich den Rindern und Pferden. Die Tollwut kommt in 3 Formen vor. In Asien und Afrika überwiegt die urbane Tollwut, sie wird von streunenden Hunden und Katzen übertragen. Die sogenannte Fledermaustollwut ist die vorherrschende Tollwutform in Mittel- und Südamerika. Sie wird von blutsaugenden Fledermäusen (Vampire) übertragen und stellt eine Gefahrenquelle für Tier und Mensch dar. Die in Europa und Nordamerika vorherrschende Form ist die silvatische Tollwut. Hauptüberträger sind bestimmte wildlebende Fleischfresserspezies. In West- und Mitteleuropa ist dies der Rotfuchs, in Osteuropa der Rotfuchs und der Marderhund, in Nordamerika Füchse, Stinktiere und Waschbären, in arktischen Gebieten Polarfüchse. Die Übertragung des Virus erfolgt vorwiegend durch Biß eines tollwutkranken Tieres. Eine Übertragung durch Belecken, Kratzen bzw. speichelhaltige Gegenstände ist selten und nur bei frischen Wunden bzw. direkt über Schleimhautkontakt möglich. Die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit ist variabel und liegt meistens zwischen 3 - 8 Wochen. Sie hängt u.a. von der Nähe der Infektionsstelle zum Gehirn ab, je dichter - desto kürzer. In typischen Fällen verläuft die Krankheit in 3 Phasen / Stadien. Das erste Stadium (Prodromalstadium) ist durch Wesensänderungen (ständige Unruhe, Zutraulichkeit bei ansonsten scheuen Tieren bzw. Absonderung bei sonst zutraulichen Tieren) und Appetitlosigkeit gekennzeichnet. Im zweiten Stadium (Exzitationsstadium) steigern sich Aufregung, Unruhe und Agressivität bis hin zu Raserei, Wut- und Krampfanfällen und starkem Speichelfluß. Man spricht bei einem stark ausgeprägten Erregungsstadium auch von rasender Wut. Das dritte Stadium
(Paralysestadium) ist durch Lähmungserscheinungen (vor allem Hinterbeine), Muskelschwäche, Herabhängen des Unterkiefers, heiseres Bellen bis Stimmverlust, starre Augen, Schluckbeschwerden und nachfolgendem Tod gekennzeichnet. Die Krankheitsdauer beträgt 1 - 7 Tage und endet in der Regel tödlich!


Virushusten

Diese Erkrankung des Atmungstraktes wird häufig auch als Zwingerhusten bezeichnet. Grund dafür ist, daß am meisten Hunde betroffen sind, die mit ihren Artgenossen sehr eng zusammenleben (z.B. im Zwinger). Grundsätzlich kann aber jeder Hund von dieser Erkrankung betroffen sein. Beim Virushusten des Hundes handelt es sich um das Zusammenwirken verschiedener äußerer und innerer Faktoren (sogenannte Faktorenkrankheit), die zu schweren Krankheitssymptomen führen. Zu den äußeren Faktoren zählen neben der Umwelthygiene vor allem auch Streß (viele Tiere auf engem Raum). Zu den inneren Faktoren zählen u.a. die Abwehrlage des Tieres und auch verschiedene Virusarten. Neben dem Staupevirus spielt vor allem das Parainfluenzavirus eine besondere Bedeutung. Neben dem Hund können sich auch Affen, Mäuse, Hamster, Meerschweinchen und Katzen mit dem Virus infizieren. Beim Menschen ruft der Erreger Mumps bzw. Ziegenpeter hervor. Das Virus wird über die Luft übertragen und setzt sich auf den Schleimhäuten des Atmungstraktes fest. In der Regel verläuft die Infektion ohne akute Lebensgefahr. Typisches Symptom ist gequälter, trockener Husten der anfallsweise auftritt. Das Allgemeinbefinden und die Leistungsfähigkeit der Tiere sind stark beeinträchtigt. Kommt es im Verlaufe der Krankheit außerdem zu einer bakteriellen Infektion, kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Das Überstehen der Krankheit hinterläßt kaum einen natürlichen Schutz.

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